Der Wiederbeginn

Vikar Hiller schreibt in der Chronik der evangelischen Gemeinde, dass erst wieder seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vereinzelt evangelische Christen in der Gegend von Haag lebten. Es waren wohl vor allem Beamte, die nach Haag versetzt wurden. Seit dem Jahre 1924 wurde in Haag vierteljährlich im Saal des Amtsgerichtes evangelischer Gottesdienst gefeiert. Pfarrer Wirth von Erding betreute die kleine Gemeinde, die sich dort versammelte.

 

Die Evangelischen hier in unserem Gebiet sollen auch von Mühldorf aus geistlich versorgt worden sein. Sicher ist, dass nach dem 2. Weltkrieg die Pfarrer aus Wasserburg verantwortlich waren. Um den Religionsunterricht an den Schulen abdecken zu können, hielten katechetische Hilfskräfte aus den umliegenden Pfarrämtern teilweise ehrenamtlich den Schuldienst. So regelte Pfarrer für Erding-Ost und Wasserburg-Nord Edgar Scholtes den Religionsunterricht in St. Wolfgang, ein Herr Wilhelm Hecke aus Mühldorf versorgte z.B. die wenigen Schüler in Oberndorf bei Haag.

 

Vikar Gottfied Kühhorn – Seelsorger der ersten Stunde

Nach dem zweiten Weltkrieg ströme 1945 eine große Anzahl von evangelischen Flüchtlingen nach Haag und Umgebung. Die evangelische Gemeinde wuchs zusehends. Über 1100 Gläubige wurden bei der Volkszählung 1950 im Haager Gebiet gezählt. Die evangelischen Heimatvertriebenen kamen vor allem aus Ostpreußen, der Batschka, Schlesien und aus dem Sudentenland. Seit August 1950 hatte Haag endlich einen eigenen evangelischen Geistlichen, Vikar G. Kühhorn stand vor einer sehr schweren Aufgabe.

 

In chronologischen Aufzeichnungen ist nachzulesen: „In treuer Einzelseelsorge ging er den Gemeindemitgliedern in der Verstreuung nach, holte sie aus ihrer Isolierung heraus uns sammelte sie zur Gemeinde. Unter seiner Leitung wurde Haag 1952 ein selbständiges „Exponiertes Vikariat.“ Zum Seelsorgegebiet gehörte damals der gesamte nördliche Landkreis Wasserburg am Inn mit den Hauptorten Haag, Isen, Reichertsheim, Gars, Maitenbeth und Sankt Wolfgang. Mittelpunkt des kirchlichen Sprengels war natürlich Haag. Ein Gebiet, das sogar größer war als das der ehemaligen Reichsgrafschaft Haag.

 

Weil uns die Nöte eines Seelsorgers damals in unserer Diasporagemeinde kaum vorstellbar sind, sei es noch einmal erlaubt, aus einem Schreiben des betroffenen Geistlichen an den Landeskirchenrat zu zitieren: „Ich bitte den Evang.-Lutherischen Landeskirchenrat um einen Zuschuss von 300-350,-DM zur Beschaffung eines privaten Autos vom Typ DKW 1939. Seit 2 1/2 Jahren befinde ich mich in der Diasporagemeinde Haag/Obb., die einen Durchmesser von 35km hat. Da ich in den Wintermonaten aber nicht mit dem Motorrad fahren kann, ist die seelsorgerliche Betreuung meiner Gemeinde sehr schwer. Wenn ich in Isen Gottesdienst habe, muss ich bereits um 7 Uhr mit dem Zug abfahren und komme erst wieder gegen 3 Uhr nachmittags zurück. Der Gottesdienst in St. Wolfgang lässt sich nur so durchführen, dass ich den Rückweg von 10 km zu Fuß mache. Ebenso ist es in Gars. In Reichertsheim muss ich bei Vormittagsgottesdiensten bereits am Samstag hinfahren, dort übernachten und um 3 Uhr nachmittags komme ich erst wieder in Haag an....“.

Unermüdlich ging Vikar Kühhorn seinen seelsorgerlichen Verpflichtungen nach. Der Gemeindeaufbau stand an erster Stelle, denn Haag wurde 1952 ein exponiertes Vikariat. Die erste Kirchenvorstandswahl wurde im April 1952 durchgeführt. Die ehrenamtlichen Gemeindevertreter wurden in ihr Amt eingeführt und am 4.09.1952 fand die erste Sitzung des gewählten Kirchenvorstands im Amtszimmer von Vikar Kühhorn statt. Herr Pfarrer Kolb aus Wasserburg war anwesend und eröffnete mit Schriftlesung und Gebet die Sitzung. Die Grundlagen für ein geregeltes Gemeindeleben waren geschaffen, die Gemeinschaft der Gläubigen aber musste noch mit Leben erfüllt werden. Kirchenchöre wurden in Haag und in Isen gegründet. Bald gab es auch Jungendgruppen, die sich im Sommer 1952 mit fränkischen Jugendlichen zu einer Bibelfreizeit trafen. Vikar Kühhorn setzte dabei seine Kontakte zu seiner Heimatgemeinde Steppach im Fränkischen ein. Höhepunkt im Kirchenjahr war damals sicherlich der gemeindlichen Kirchentag, der zum ersten Mal im Jahre 1952 die evangelischen Christen der fünf Predigtstationen zum gemeinsamen Gottesdienst und Gebet am Strampflschlößl bei Au am Inn zusammenführte. Das nächste Treffen dieser Art wurde im Juli 1953 in der Haager Turnhalle (im ehemaligen Zehentstadel) abgehalten. Gerade diese Kirchentage fanden begeisterten Anklang und waren jedes Mal gut besucht.

 

Am 8. April 1954 hielt Vikar Gottfried Kühhorn seine letzte Kirchenvorstandssitzung. Darauf übernahm er die Pfarrstelle in Weisendorf bei Neustadt an der Aisch. Ungern ließ die Gemeinde ihren beliebten Geistlichen ziehen.

 

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Die ersten Anfänge der evangelischen Gemeinde in Haag i. OB

Wer die Kirchengeschichte der evangelischen Gemeinde in Haag i. OB in ihren heutigen Grenzen bis zu ihren Anfängen zurückverfolgt, darf nicht erwarten, dass diese geschichtliche Entwicklung lückenlos dokumentiert ist.

 

 

 Historisch gesichert ist auf jeden Fall, dass die ehemaligen Reichsfreie Grafschaft Haag unter Graf Ladislaus eine evangelische Enklave inmitten des katholisch gebliebenen Herzogtums Bayern war.

Schon im Jahre 1559 hatte sich Graf Ladislaus auf dem Reichstag zu Augsburg vor Kaiser und Reich zur Confessio Augustana bekannt. Somit war er legitimiert, die Reformation nach dem Grundsatz „cuius regio, eius regio“ (d.h. der Landesherr bestimmt die Konfessionszugehörigkeit seiner Untertanen) in seiner Grafschaft einzuführen. Sein reichsunmittelbares Herrschaftsgebiet wurde mit Ortenburg und Hohenwaldeck eine der drei bedeutenden protestantischen Inseln im katholischen Herzogtum Bayern.

             Vorderseite Haager Taler von 1549            Rückseite Haager Taler von 1549

                               Haager Taler 1549 - Vorder- und Rückseite

Ladislaus ging klug und behutsam vor. Zunächst beließ er seinen Untertanen die Freiheit der Religionswahl, neben den katholischen Priestern wurden evangelische Prediger angestellt. Seiner ersten Frau Marie-Salmone, evangelisch erzogen, wurde ein lutherischer Schlossprediger zugestanden. Das Abendmahl konnte in beiderlei Gestalten empfangen werden. Deswegen kamen nicht nur Gläubige aus den umliegenden Ortschaften nach Haag, sondern auch die Protestanten aus München nahmen die Gelegenheit wahr, in Haag die evangelischen Gottesdienste zu besuchen.

 

Wir können nachlesen, dass die zu Luthers Lehre übergetretenen Pfarrer tüchtige Seelsorger und eifrige Prediger waren. Ein Veit Gilger, ein Kesselflicker und in Sachsen Theologie ein Autodidakt, soll über eine glänzende Rednergabe verfügt haben, denn er versammelte als Laienprediger bis zu 3000 Zuhörer allein bei einem Gottesdienst um sich.

 

Wegen dieser reformatorischen Aktivitäten blieben Spannungen zwischen Grafschaft und Herzogtum nicht aus. Die Münchner Regierungen erließ im Mai 1560 eine scharfe Verordnung, die ihren Untertanen den Besuch der evangelischen Gottesdienste in der Reichsgrafschaft Haag untersagte. Graf Ladislaus wurde wegen seiner Reformfreudigkeit sogar zwei Monate lang im Falkenturm zu München widerrechtlich in Festungshaft genommen. Uneingeschüchtert führte er 1561 die sächsische Kirchenordnung in seinem Herrschaftsgebiet ein. Als er aber 1566 kinderlos starb, fiel seine kleine evangelische Reichsgrafschaft auf kaiserlichen Geheiß an Herzog Albrecht von Bayern, der dieses Ländchen östlich von seiner Residenzstadt München Bayern einverleibte und wieder rekatholisierte.

 

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Unser Pfarrbezirk reicht von Isen im Westen bis Unterreit im Osten und von St. Wolfgang im Norden bis Rechtmehring im Süden.

Benefizkonzert am Samstag, den 12.11. um 18.00 Uhr

Die Lehrkräfte der Haager Schule für Musik und Kunst e.V. veranstalten am 12.11.2016 um 18:00 ein Benefizkonzert in der evangelischen Kirche in Haag. Damit möchte der Musikverein die Gemeinde bei der Finanzierung der Umbaumaßnahme Zeit für Raum unterstützen. Einige Musiklehrer, wie die Blockfötistin Christine Schreier, die Sängerin Kumiko Koike-Clausen, die Klavierlehrerinnen Sophia und Susanne Philippzig, Gitarrenlehrerin Franziska Schatz werden ein vielseitiges klassisches Programm durch die musikalischen Epochen darbieten. Die musikalische Zeitreise- beginnend mit Barockmusik, mit Werken von Arcangelo Corelli, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann - führt weiter über die Wiener Klassik mit einer Sonate von Joseph Haydn, folgt mit romantischen Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frederic Chopin, und zeigt auch Werke der klassischen Moderne.

Ab 17.00 Uhr wird mit Gulaschsuppe und Getränken bewirtet.

Der Eintritt ist frei,  es wird um Spenden gebeten.

 Wir freuen uns, wenn Sie kommen!