Die ersten Anfänge der evangelischen Gemeinde in Haag i. OB

Wer die Kirchengeschichte der evangelischen Gemeinde in Haag i. OB in ihren heutigen Grenzen bis zu ihren Anfängen zurückverfolgt, darf nicht erwarten, dass diese geschichtliche Entwicklung lückenlos dokumentiert ist.

 

 

 Historisch gesichert ist auf jeden Fall, dass die ehemaligen Reichsfreie Grafschaft Haag unter Graf Ladislaus eine evangelische Enklave inmitten des katholisch gebliebenen Herzogtums Bayern war.

Schon im Jahre 1559 hatte sich Graf Ladislaus auf dem Reichstag zu Augsburg vor Kaiser und Reich zur Confessio Augustana bekannt. Somit war er legitimiert, die Reformation nach dem Grundsatz „cuius regio, eius regio“ (d.h. der Landesherr bestimmt die Konfessionszugehörigkeit seiner Untertanen) in seiner Grafschaft einzuführen. Sein reichsunmittelbares Herrschaftsgebiet wurde mit Ortenburg und Hohenwaldeck eine der drei bedeutenden protestantischen Inseln im katholischen Herzogtum Bayern.

             Vorderseite Haager Taler von 1549            Rückseite Haager Taler von 1549

                               Haager Taler 1549 - Vorder- und Rückseite

Ladislaus ging klug und behutsam vor. Zunächst beließ er seinen Untertanen die Freiheit der Religionswahl, neben den katholischen Priestern wurden evangelische Prediger angestellt. Seiner ersten Frau Marie-Salmone, evangelisch erzogen, wurde ein lutherischer Schlossprediger zugestanden. Das Abendmahl konnte in beiderlei Gestalten empfangen werden. Deswegen kamen nicht nur Gläubige aus den umliegenden Ortschaften nach Haag, sondern auch die Protestanten aus München nahmen die Gelegenheit wahr, in Haag die evangelischen Gottesdienste zu besuchen.

 

Wir können nachlesen, dass die zu Luthers Lehre übergetretenen Pfarrer tüchtige Seelsorger und eifrige Prediger waren. Ein Veit Gilger, ein Kesselflicker und in Sachsen Theologie ein Autodidakt, soll über eine glänzende Rednergabe verfügt haben, denn er versammelte als Laienprediger bis zu 3000 Zuhörer allein bei einem Gottesdienst um sich.

 

Wegen dieser reformatorischen Aktivitäten blieben Spannungen zwischen Grafschaft und Herzogtum nicht aus. Die Münchner Regierungen erließ im Mai 1560 eine scharfe Verordnung, die ihren Untertanen den Besuch der evangelischen Gottesdienste in der Reichsgrafschaft Haag untersagte. Graf Ladislaus wurde wegen seiner Reformfreudigkeit sogar zwei Monate lang im Falkenturm zu München widerrechtlich in Festungshaft genommen. Uneingeschüchtert führte er 1561 die sächsische Kirchenordnung in seinem Herrschaftsgebiet ein. Als er aber 1566 kinderlos starb, fiel seine kleine evangelische Reichsgrafschaft auf kaiserlichen Geheiß an Herzog Albrecht von Bayern, der dieses Ländchen östlich von seiner Residenzstadt München Bayern einverleibte und wieder rekatholisierte.

 

Weiter >>